KHD-Zug erneuert Måltersteg

Created by Günther Huber | |   Berichte

Durch jahrelange Witterungseinflüsse war der Holzsteg in einen sehr schlechten Zustand geraten und wurde nun erneuert

Dietharts (Gemeinde Rappottenstein), 18.09.2021: Der sogenannte „Måltersteg“ bei der Diethartsmühle - in der Nähe von Roiten - wurde im Herbst 2000 von der Feuerwehr im Rahmen einer Übung durch den „Feuerlösch- und Bergezug“ errichtet. Treibende Kraft des Projektes war damals unter anderem Hermann Neulinger (sen.) aus Roiten. Durch jahrelange Witterungseinflüsse war der Holzsteg in einen sehr schlechten Zustand geraten und musste schließlich 2018 aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.

Als wichtiger Teil des Wandernetzes war klar, dass die Kampquerung wieder instandgesetzt werden muss. An dieser Stelle zeigt sich der Kamp besonders breit und ist mit der Brücke an sich schon eine sehenswerte Attraktion.

Das Projekt „Erneuerung des Måltersteges in Roiten“ stand schon mehrere Jahre am Plan. Die Gemeinde trat nach der Sperrung an den Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehr (kurz: KHD) heran und ersuchte um Zusammenarbeit bei der Instandsetzung des Steges. Verzögerungen gab es anfangs durch organisatorische Hürden, dann kam noch die Covid-Pandemie dazwischen. Im Jahr 2021 hieß es jedoch seitens des KHD-Bereitschaftskommandanten Robert Liebenauer: „Heuer ziehen wir das durch! Die fertige Planung liegt ja schon in der Schublade.“

Die Feuerwehr nahm erneut Kontakt mit der Gemeinde auf und klärte die Zufahrtsmöglichkeiten mit dem Anrainer. Die Planung und statischen Berechnungen wurden an das Büro Zehetgruber+Laister in Zwettl übergeben. Die Kosten für Material und Verpflegung wurden bereitwillig von der Gemeinde Rappottenstein übernommen.

An diesem Samstag war bereits um 7:00 Uhr ein Teil der Mannschaft vor Ort, um den Abbau der desolaten Brücke vorzubereiten. Ein Trupp aus Zwettl stieß gegen 8:00 Uhr mit den Spezialfahrzeugen dazu. Geleitet wurde der Einsatz von Zugskommandant Franz Maier von der FF Friedersbach. Der gelernte Zimmermann David Haag und Markus Gruber von der FF Roiten koordinierten die Materialbeschaffung und teilten die Arbeitskräfte in Teams ein.

Um die Mittagszeit erhielt die Arbeitertruppe Besuch von einer Delegation der Marktgemeinde Rappottenstein und dem Museumsverein Roiten. Auch Bezirksfeuerwehrkommandant Ewald Edelmaier überzeugte sich von der Arbeit. Sein Stellvertreter Karl Kainrath war bereits vor Ort und half tatkräftig mit. Sie staunten nicht schlecht über den Baufortschritt. Die dreiteilige Brücke ist schließlich 35 Meter lang und es waren schon am Vormittag alle Träger erneuert worden, die Trittbalken waren montiert und man arbeitete schon fleißig am Geländer.

In den Morgenstunden war man noch etwas skeptisch, ob der Steg an einem Arbeitstag komplett fertig gestellt werden kann. Doch die Arbeiten gingen zügig voran. Schließlich war das 35 Mann starke Team der 9 Feuerwehren top motiviert. Auch ein kurzer Regenschauer und „zwischendurch“ ein Einsatz zu einem Fahrzeugbrand am Nachmittag konnten dem nichts anhaben. Als Spezialfahrzeuge wurden ein Teleskoplader, ein Kranfahrzeug und ein Holzrückewagen eingesetzt. Die Handwerkzeuge stellten die Helfer selbst zur Verfügung. Lärchenholz gilt als besonders witterungsbeständig, somit sollte der Steg für viele Jahre halten.

Gegen 18:00 Uhr war die letzte Schraube eingedreht und das Team des 6. KHD-Zuges blickte mit Stolz auf ihr Tagwerk. Der Museumsverein Roiten lud abschließend zu einer Jause ins Dorfmuseum Roiten ein.

Der örtliche Kommandant Franz Schöller erinnert sich, dass er mit seinem Vater Anfang der 1970er Jahre Getreide zum Mahlen in die „Diethartsmühle“ gebracht hat. Die Mühle wurde in den darauffolgenden Jahren zu einem wasserbetriebenen Sägewerk umgebaut, ist aber seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb und in Privatbesitz.

„Es ist überwältigend, die Motivation der Mitglieder des Katastrophenhilfsdienstes im Arbeitseinsatz zu sehen.“, so Robert Liebenauer abschließend bei einem Gläschen Wein. „Dies zeigte sich schon in früheren Projekten und zuletzt auch beim Unwettereinsatz in der Region Allentsteig. Die Errichtung von Behelfsbrücken ist auch im Einsatzfall bei Hochwasserereignissen immer wieder Aufgabe der KHD-Züge.“

Der „Måltersteg“ hat seinen Namen vom Transport des Mahlgutes – also dem zu mahlenden Getreide – bekommen. In der Mundart spricht man das als „Moita“ aus. In Dietharts wurde es von den Bauern, von der anderen Seite des Kampes, über den Steg zur Dietharts-Mühle transportiert und als fertiges Mehl wieder mitgenommen.

Großer Dank gilt allen Beteiligten für die Arbeitsleistung und Bereitstellung der Materialien.

 

Anmerkung Schreibweise „Måltersteg“:
Das „å“ soll auf die mundartliche Aussprache „Moitersteg“ hinweisen.

 

 

 

 

Fotos: Günther Huber, Reinhard Haag, Robert Liebenauer

Es gibt auch ein Zeitraffervideo vom Brückenbau: https://www.youtube.com/watch?v=m_leISCbEDo&t=12s